Veranstaltungen

24. Januar 2019
19:00 Uhr

Theaterstück "Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht"

Ferdinand Matuszek ist 15 Jahre alt, als er in seiner polnischen Heimat von den deutschen Besatzern zur Arbeit beim Bau einer kriegswichtigen Bahnstrecke gezwungen wird. Mit knapp 16 Jahren wird er nach Deutschland deportiert, zur Zwangsarbeit auf einem ostwestfälischen Bauernhof. Von Erinnerungen gequält, innerlich zerrissen und heimatlos, ist er lange Zeit nicht fähig, über seine Erlebnisse zu sprechen. Erst im Alter von 70 Jahren beginnt er, seine Geschichte zu erzählen. Entstanden ist daraus ein Buch – und das Theaterstück „Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht“.

Karten für die Aufführung, zu der die Stadt Verl in Kooperation mit der Volkshochschule Verl – Harsewinkel – Schloß Holte-Stukenbrock einlädt, sind im Vorverkauf zum Preis von acht Euro im Bürgerservice des Rathauses und in der Buchhandlung Pegasus erhältlich. An der Abendkasse kostet der Eintritt zehn Euro. Für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende ist der Eintritt frei.

Ferdinand Matuszek sagte von sich selbst, er habe Glück gehabt. Auf dem Bauernhof im ostwestfälischen Rehme hatte er genug zu essen und wurde gut behandelt. Gleichzeitig erlebte er die Brutalität der SS und ihrer Helfer – Erlebnisse, die ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollten. Das Herausgeworfensein aus seinem Leben und die Konfrontation mit den Grausamkeiten, die andere Menschen in seiner unmittelbaren Nähe erleiden mussten, ohne dass er etwas tun konnte, belasteten ihn sehr. Eine Erfahrung, die er mit vielen jungen Menschen, die heute auf der Flucht vor Krieg und Gewalt sind, auf vielfältige Weise teilt.

Erst im hohen Alter war es Ferdinand Matuszek möglich, über die Ereignisse zu sprechen. Er ging in Schulen und sprach mit Schülerinnen und Schülern. 2012 gab er sein Einverständnis, dass über seine Lebensgeschichte ein Buch verfasst wird. Geschrieben haben es Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326, und Friedhelm Schäffer unter dem Titel „Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten. Die Lebensgeschichte des Ferdinand Matuszek“. Das Erscheinen des Buches im Jahr 2015 erlebte Matuszek nicht mehr – er starb im Juli 2014.

Auf der Grundlage des Buches haben Michael Grunert (Spiel) und Regina Berges (Text und Regie) im Auftrag des Fördervereins der Dokumentationsstätte Stalag 326 VI K Senne ein Theaterstück inszeniert, das ein Leben hinter und zwischen sichtbaren und unsichtbaren Zäunen erzählt. In den Erzählungen über die Gräuel des Naziregimes wurden die Erfahrungen all der Menschen, die als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen verschleppt worden waren, über einen langen Zeitraum hinweg vernachlässigt. Es ist also an der Zeit, sich auch mit dem Schicksal dieser Opfer des Naziregimes zu befassen. Dem Zeitzeugen Ferdinand Matuszek war es wichtig, seine Geschichte zu erzählen, um gerade auch junge Menschen für das Leid, das Menschen einander antun können, zu sensibilisieren.

Ort: Pädagogisches Zentrum (Schulzentrum, St.-Anna-Straße 28)
Ihr Ansprechpartner bei der Stadt Verl:
Elke Hänel, Raum: 116, Telefon: 961-103, E-Mail: Elke.Haenel@verl.de