QR-Code

Meldungsarchiv

15. Januar 2018

Gedenken: Filmabend "Was uns bleibt" im Heimathaus

Auschwitz

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es immer weniger Menschen, die als Zeitzeugen über den Holocaust berichten können. Umso wichtiger sind Dokumente wie der Film „Was uns bleibt“, für den die Autorin Barbara Lipinska-Leidinger mit der Kamera elf Frauen an die Orte ihrer Erinnerung begleitete. Die Frauen gehörten zu den rund 800 jüdischen Zwangsarbeiterinnen, die 1945 während eines Todesmarsches von Lippstadt in das KZ Bergen-Belsen auf einer Wiese in Kaunitz von amerikanischen Soldaten befreit wurden.

 

Über ihren Besuch in Kaunitz, Gütersloh und Lippstadt im Jahr 1993 entstand so ein sehr berührender Film, den der Heimatverein Verl und die Stadt Verl am Donnerstag, 25. Januar, im Heimathaus zeigen. Dazu sind um 19.30 Uhr alle Interessierten willkommen.  Anlass der Veranstaltung ist der zentrale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am  27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee.

 

In Auschwitz begann auch für einige der Frauen ihr Leidensweg. So etwa für Magda Müller. Sie war 16 Jahre alt, als ihre Heimat Ungarn 1944 von den deutschen Truppen besetzt wurde und alle jüdischen Frauen, Männer und Kinder deportiert wurden. Magda Müller kam gemeinsam mit ihrer Schwester (18) und ihren Eltern nach Auschwitz-Birkenau. Ihre Eltern sah sie bei der Ankunft zum letzten Mal. Auch ihre Schwester wurde wenig später ermordet. Allein auf sich gestellt, kam das Mädchen schließlich in einen Transport nach Lippstadt. Denn in Deutschland fehlten Arbeiter, und so wurden auch in den damaligen Lippstädter Eisen- und Metallwerken, einem Außenkommando des KZ Buchenwald, Zwangsarbeiterinnen eingesetzt, um Munitionsnachschub für die deutschen Truppen zu produzieren.  

 

Als die Alliierten 1945 immer näher rückten, wurden Magda Müller und ihre Leidensgenossinnen auf einen so genannten Todesmarsch geschickt, der sie in das KZ Bergen-Belsen führen sollte. Doch in  Kaunitz kam für die ausgehungerten, vollkommen erschöpften Frauen endlich das Ende ihrer Leidenszeit: Die SS-Wachen flohen vor den herannahenden Amerikanern und die Frauen waren frei.  

 

Nachdem sie 1989 auf dem jüdischen Friedhof in Gütersloh zwei Kindergräber entdeckt hatten, war eine Schülergruppe der Anne-Frank-Gesamtschule Gütersloh auf das Schicksal der 800 in Kaunitz befreiten Frauen gestoßen und hatte ihre Geschichte recherchiert. Sie stellten Kontakt zu einigen der Frauen her und 1993 reisten elf der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen aus allen Teilen der Welt noch einmal nach Deutschland, um sich auf die Spuren ihrer Erinnerung zu begeben. Auch Angehörige der beiden Kinder, deren Gräber die Schüler entdeckt hatten, kamen und sahen zum ersten Mal, wo ihre Eltern befreit worden waren und in den ersten Nachkriegsmonaten gelebt hatten. Gezeigt wird im Heimathaus der zweite Teil des Films, in dem die Autorin Barbara Lipinska-Leidinger die Zeitzeuginnen an die Orte ihrer Erinnerung begleitet – eine Erinnerung, die keine der Frauen je losgelassen hat.  

 

Begleitet wird der Filmabend vom Klezmer-Duo Bielefeld. Der Eintritt ist frei.

Bildquellen: fotoab.eu / pixelio.de

Ihr Ansprechpartner bei der Stadt Verl

Elke Hänel
Fachbereich Zentrale Dienste
Raum: 116 (1. OG)
Telefon: 05246 / 961-103
E-Mail: Elke.Haenel@verl.de